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Burkhard Farnschläder in einem Atemzug mit Arne Gabius und Gesa-Felicias Krause

Der Hobbyläufer des Jahres 2015, der Herdorfer Burkhard Farnschläder (2. von links) und die "Profiläuferin des Jahres 2015" Gesa-Felicitas Krause zusammen mit Dr. Franz-Josef Weihrauch (links/Krombacher) und Frank Lebert (rechts) vom DLV.

Gruppenfoto mit glücklichen Gewinnern der Leserwahl von Laufen.de: Der Hobbyläufer des Jahres 2015, der Herdorfer Burkhard Farnschläder (2. von links) und die „Profiläuferin des Jahres 2015“ Gesa-Felicitas Krause zusammen mit Dr. Franz-Josef Weihrauch (links/Krombacher) und Frank Lebert (rechts) vom DLV.

Krombach. Er konnte sein Glück kaum fassen und umklammerte den kleinen Glaspokal wie einen Schatz. Burkhard Farnschläder aus Herdorf, Läufer aus Leidenschaft und Laufbotschafter gegen das Vergessen von Mukoviszidose-Erkrankten, ist bei der Läufer-Gala des DLV beim Hauptsponsor Krombacher Brauerei zum „Hobby-Läufer des Jahres“ ausgezeichnet worden. Die Nutzer des Online-Portals Laufen.de hatten den 53-Jährigen  mit 764 zu 713 Stimmen ganz knapp vor den 14 Jahre alten Fynn Hofer gewählt. Farnschläder befand sich damit in prominenter Gesellschaft, denn in der Kategorie „Profis“ wurden der neue Deutschen Rekordhalter im Marathonlauf (2:08:33 Std.), Arne Gabius, und die Bronzemedaillen-Gewinnerin bei der WM in Peking 2015, Gesa-Felicias Krause, als Läufer des Jahres gewählt.

Zwei Stunden vor dem spannungsvollen Ausgang der Leserwahl des Online-Portals Laufen.de  im großen Kinosaal der Krombacher Brauerei ahnte Burkhard Farnschläder noch nicht, dass er am Ende des Abends gemeinsam mit der Deutschen Laufelite im Scheinwerferlicht stehen würde. Bei regnerischem Wetter hatte er zusammen mit vielen heimischen Volksläufern und auch Spitzenläufern wie Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg), eine Waldrunde oberhalb der Krombacher Braustätte gedreht. Erstmals war in den Lauf eine „Berg-Challenge“ integriert, bei der die Läufer ihre „Kletterqualitäten“ beim Bergauflaufen unter Beweis stellen konnten. Am schnellsten war dabei natürlich Philipp Pflieger, der zweitschnellste deutsche Marathonläufer in diesem Jahr und Zweitplatzierte bei der Wahl zum „Profiläufer des Jahres“.

„Berg-Challenge“ über die Höhen von Krombach

Im Wald an der Seite von Burkhard Farnschläder waren auch etliche Läuferinnen und Läufer der SG Siegen-Giersberg und des TuS Deuz, die den Herdorfer gemeinsam mit Martin Hoffmann von :anlauf und Stefan Kosiahn zur Wahl vorgeschlagen hatten. Der Chefredakteur von Laufen.de, Christian Ermert, ein ehemaliger Spitzenmittelstreckler im Trikot der LG Sieg, hatte die Idee der Siegerländer aufgegriffen und die Wahl der Hobbyläufer in diesem Jahr unter das Motto Inklusion gestellt. In der Endrunde standen neben Farnschläder, dem 14-jährige Finn Hofer (Varel) und dem 44-jährige Willi Sawatzki (Hannover) der Läufer in der Kategorie „Hobbyläufer des Jahres“ zur Wahl, die alle auf ihre Art ein Stückweit zum gemeinsamen Laufen von behinderten und nichtbehinderten Menschen beitragen.

Burkhard Farnschläder – ein Hobbyläufer mit Vorbildcharakter

Burkhard Farnschläder ist 53 Jahre alt und hat Mukoviszidose. Mit eineinhalb Jahren wurde die genetisch bedingte und immer noch unheilbare Stoffwechselerkrankung festgestellt. Trotz der Erkrankung, die vor allem die Atemwege mit einem zähen Schleim verstopft, hat er vor über 15 Jahren im Laufsport seine Passion gefunden, ist bereits mehrfach Marathon gelaufen, ist sogar zweifacher Ironman-Finisher und als Volksläufer in der Region Siegen-Wittgenstein sowie im Kreis Altenkirchen gleichermaßen bekannt und beliebt. Der Herdorfer setzt sich vielen Jahren bundesweit bei Mukoviszidose-Aktionen für andere Betroffene ein, ist Sprecher der Mukoviszidose-Regionalgruppe Siegen und maßgeblich an der Umsetzung des Siegener Marathon mit Musik zugunsten der Mukoviszidose Regionalgruppe Siegen (die nächsten Lauftage sind am 27./28. August 2016 an der sieg-arena) beteiligt. Er engagiert sich persönlich und durch seine Vorbildfunktion macht er vielen Menschen mit chronischen Krankheiten Mut, dass man mit Laufen seine Lebenssituation auch mit einer schweren Krankheit wesentlich verbessern kann. Früher riet man Mukoviszidose-Erkrankten oft vom Sport ab. „Heute gibt es aber viele Beispiele, dass Sport hilft. Deswegen rät man Betroffenen auch dazu“, erzählt Burkhard Farnschläder.

Seine Vorbildfunktion, sein Wille, durch den Laufsport eine Verbesserung der Lebenssituation zu erreichen und seine Erfahrungen anderen Mukoviszidose-Erkrankten weiterzugeben und ihnen damit Mut zuzusprechen überzeugte auch die Jury des Online-Fachmagazins Laufen.de, in der unter anderem der Extremsportler Joey Kelly und ZDF-Sportjournalist Wolf-Dieter Poschmann sitzen. Mit in der Fachjury ist auch der Ex-Europameister von  2006 über 10.000 Meter Jan Fitschen, der jetzt im Alter von 38 Jahren nach langen Verletzungssorgen seinen Rücktritt vom Leistungssport erklärte. Auch die Leser von Laufen.de, das nun auch vier Mal im Jahr als Print-Magazin erscheint, waren offensichtlich vom Freizeitläufer Burkhard Farnschläder überzeugt und wählten ihn mit Stimmenmehrheit.

Martin Hoffmann hielt Laudatio

Einer der ganz wenigen, die schon Tage vor der Bekanntgabe des Wahlausgangs das Ergebnis kannten, war der Organisator des Siegerländer Firmenlaufs Martin Hoffmann aus Eiserfeld. Vier Tage vor dem Gala-Abend in der Braustube war er von Laufen.de um eine Laudatio auf Farnschläder gebeten worden. Hoffmann, wahrlich ein „bunter Hund“ in der heimischen Laufszene, hielt mit der Nachricht bis zur letzten Sekunde dicht. Als es sich Farnschläder nach dem Lauf durch Krombachs Wälder nichtsahnend im Krombacher Kinosessel gemütlich gemacht hatte, hielt Hoffmann die Lobrede bereits in der Hand. Gerührt und überwältigt hörte sich der „Hobbyläufer des Jahres“ dann zusammen mit den knapp 300 Gästen im Saal nochmal seine Lebensgeschichte aus der Sicht eines langjährigen Weggefährten im Laufsport an.

Für jedes Lebensjahr einen Laufkilometer

Martin Hoffman erinnerte daran, wie Burkhard Farnschläder 2004 in einem Marathon-Laufkurs von seinem Vorhaben erzählte, er wolle für jedes Lebensjahr einen Kilometer zurücklegen. Zu diesem Zeitpunkt wusste jedoch noch niemand in der Laufgruppe, dass der Läufer aus Herdorf an der unheilbaren Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose leidet und das ihm die Ärzte einmal eine Lebenserwartung von 20 Jahren vorhergesagt hatten. Wenig später schaffte Farnschläder den Marathon in 3:51 Stunden und sorgte damit sogar für ein Nachdenken in der Fachmedizin über den positiven Effekt von Ausdauersport auf die Mukoviszidose-Erkrankung. Seit vielen Jahren ist Burkhard bei Benefiz- und Hoffnungsläufen in Deutschland und Europa unterwegs. Er ist ein gefragter Gast bei Konferenzen und Vorträgen. Auch als Sportler hat er immer neue Ziele: In diesem Jahr ist er den Two Oceans Marathon über 56 Kilometer in Südafrika mitgelaufen.

Martin Hoffmann: „Ohne Burkhards Engagement hätte sich vieles nichts so entwickelt. Viele Menschen wüssten noch nichts von Mukoviszidose, es gäbe sicher keinen Siegener Marathon mit Musik und auch für manche Läufer ohne Beeinträchtigung dient er als Vorbild. Deshalb freue ich mich sehr über die Auszeichnung für Burkhard. Es ist aber auch eine Würdigung für Viele, für die Laufen mehr bedeutet als Bestzeiten, Platzierungen und Urkunden, eine Anerkennung für alle Menschen, die mit Mukoviszidose oder einer anderen chronischen Krankheit Sport treiben und laufen. Egal ob das ein paar Minuten sind oder ein Marathon ist, sie werden genauso Ernst genommen werden, wie die Stars und Spitzenläufer.“

Arne Gabius lobt Farnschläder: „Er verschiebt genauso Grenzen wie wir Spitzen-Athleten“

Ein dickes Lob bekam Burkhard Farnschläder auch vom neuen Deutschen Marathon-Rekordhalter Arne Gabius, der zum zweiten Mal in Folge zum „Läufer des Jahres“ gewählt wurde. Mit einer Video-Botschaft aus dem kalifornischen Santa Barbara bedankte sich Gabius zunächst für seine Wahl und sagte dann zum neuen Hobbyläufer des Jahres: „Was er macht, ist einfach klasse. Er verschiebt genauso Grenzen wie wir Spitzen-Athleten. Alle haben ihm geraten, wegen der Mukoviszidose keinen Sport zu machen, sich zu schonen. Und er? Läuft Marathon und länger. Und das, weil er nicht sagt, ich kann das nicht, sondern es einfach macht. Burkhard Farnschläder ist verdient zum ,Hobbyläufer des Jahres‘ gewählt worden.“ Für dieses Lob bekam Gabius dann auch auch lautstarken Beifall im Krombacher Kinosaal.

Arne Gabius in den Flitterwochen

Bei der Wahl der „Profiläufer des Jahres“ wurden insgesamt 3566 Stimmen abgegeben. Auch hier folgte die Jury dem Urteil der User von Laufen.de Bei den Männern setzte sich Arne Gabius mit 2570 Stimmen deutlich gegen seine Marathon-Kollegen Philipp Pflieger (374 Stimmen; LG Telis Finanz Regensburg) und Julian Flügel (288 Stimmen; TSGG 08 Roth) durch. Noch immer ist vielen Laufsportbegeisterten das dramatische Marathon-Rennen von Frankfurt noch in guter Erinnerung, als Arne Gabius seine Rekord-Ankündigung in die Tat umsetzte. In 2:08:33 Stunden steigerte der 34-Jährige den 27 Jahre alten Deutschen Rekord von Jörg Peter um 14 Sekunden. Gabius konnte nicht zur Gala nach Krombach kommen – doch er hatte eine gute „Entschuldigung“: Nach dem Frankfurt-Marathon wollte er sich in Kalifornien von einer harten Saison erholen und dann will er noch mit seiner langjährigen Freundin Hochzeit feiern!

Gesa-Felicitas Krause träumte schon mit acht Jahren von Olympia

Gesa-Felicitas Krause zusammen mit Frank Lebert (DLV/links) und Dr. Franz-Josef Weihrauch (Krombacher/rechts).

Gesa-Felicitas Krause zusammen mit Frank Lebert (DLV/links) und Dr. Franz-Josef Weihrauch (Krombacher/rechts).

Die 23-jährige Gesa-Felicitas Krause, die im Alter von 17 Jahren von Dillenburg ins Sportinternat nach Frankfurt zog, hatte ihrem Poesiealbum schon im Alter von acht Jahren anvertraut, dass ihr großer Traum Olympia heißt. Die Hindernisspezialistin, die schon bei der U20-WM Gold gewonnen hatte, erfüllte sich bereits in London ihren Traum. Doch die Laufsport- und Leichtathletik-Freunde, die Leser von Laufen.de und die Fachjury begeisterte die zierliche Läuferin vor allem durch ihr beherztes Rennen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking, als sie nach einem taktisch klugen Rennen sensationell Bronze über 3000 Meter Hindernis gewann. Die Frankfurterin hatte im WM-Finale das Herz in beide Hände genommen, sich immer in der Spitzengruppe aufgehalten und war am Ende in 9:19,25 Minuten auf Platz drei gestürmt. Nur wenige Hundertstel fehlten der 23-Jährigen zum Titel. Für die deutschen Läufer war es die erste Medaille bei globalen Titelkämpfen seit Nils Schumanns 800-Meter-Olympiasieg 2000 in Sydney. Die letzte WM-Medaille hatte es 1991 in Tokio durch Hauke Fuhlbrügge (1.500 Meter) gegeben.

Katharina Heinig schenkt Krause einen Plüsch-Minion

Katharina Heinig, Trainingskollegin von Gesa-Felicitas Krause, hielt die Laudatio auf die erfolgreiche Hindernisläuferin.

Katharina Heinig, Trainingskollegin von Gesa-Felicitas Krause, hielt die Laudatio auf die erfolgreiche Hindernisläuferin.

Katharina Heinig schenkte Gesa-Felicitas Krause einen Plüsch-Minion.

Katharina Heinig schenkte Gesa-Felicitas Krause einen Plüsch-Minion.

Die Laudatio auf Gesa Krause hielt Marathonläuferin Katharina Heinig. Die Tochter von Bundestrainer Wolfgang Heinig trainiert bei der LG Eintracht Frankfurt zusammen mit der WM-Dritten. Beide sind gut befreundet und teilen sich bei Wettkampfreisen und in Trainingslagern oft ein Zimmer. Dabei plauderte sie auch über die vielen Gewohnheiten der noch jungen Spitzenläuferin, dass sie zum Beispiel niemanden kenne, der in kurzer Zeit soviel Kaffee trinken könne. Für den begeisterten Minions-Fan Gesa Krause hatte Katharina Heinig ein großes Plüschtier des US-amerikanischen 3D-Animationsfilms als Geschenk mit nach Krombach gebracht. Hinter Gesa Krause landeten die Marathonläuferinnen Lisa Hahner (Run2Sky/Fulda) und Alina Reh vom TSV Erbach auf den Plätzen zwei und drei.

Jan Fitschen signierte sein Buch „Wunderläuferland Kenia“

Die Läufer-Gala endete auch in diesem Jahr mit einem „Meet an Greet“ zwischen Spitzen- und Volksläufern im Gästesaal der Krombacher Brauerei. Viele Sportler nutzten die Gelegenheit, eines von Jan Fitschens handsignierten Büchern „Wunderläuferland Kenia“ zu erwerben. Ein besonderes Präsent hielt dann auch noch die Krombacher Brauerei für alle Gäste und Läufer parat: Eine Flasche Krombacher Bier mit dem persönlichen Konterfei – mit einem Foto, dass vor dem Begrüßungslauf durch Krombachs Wälder aufgenommen wurde. Nun darf man gespannt sein, wer im kommenden Jahr, im Olympiajahr von Rio das Rennen bei der Wahl zum „Läufer des Jahres 2016“ machen wird. Titel bedeuten dem zurückhaltenden Herdorfer Burkhard Farnschläder nicht allzuviel – doch die Auszeichnung „Hobbyläufer des Jahres 2015“ und das an der Seite von Arne Gabius und Gesa-Felicitas Krause, wird wohl einen Ehrenplatz bekommen.

Der Hobbyläufer des Jahres 2015, der Herdorfer Burkhard Farnschläder und die "Profiläuferin des Jahres 2015" Gesa-Felicitas Krause.

Der Hobbyläufer des Jahres 2015, der Herdorfer Burkhard Farnschläder und die „Profiläuferin des Jahres 2015“ Gesa-Felicitas Krause.

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